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Schafft Leiden!

Ich habe Dir vertraut. Wider besseres Wissen. Wenn schon keine Leidenschaft, dann wenigstens Leiden. Ausbezahlt und abgestottert. In Herzen wohnt man immer nur zur Miete.

Keine Welt für

Ich bin jahrelang davongelaufen. An andere Enden von Welten und immer fort von mir selbst. Versucht zu sein, doch nie gewesen, was ich dachte, das ich wäre. Heute stehe ich am Ende eines Tunnels und frage mich, warum ich mir den ganzen Weg durch die Dunkelheit eigentlich angetan habe. Im Schatten ist es kalt, wenn niemand da ist, um einen zu wärmen. Mein Bett ist zu groß für eine Person. Selbst wenn darin noch ein dauerdepressiver Panther und ein mintgrünes Wesen mit Antennenohren liegen. Mein Herz ist es leid, nur für mich zu schlagen und meine Hände würden lieber warme Haut als kalte Laptoptasten spüren. Doch es ist schwer sich auf andere einzulassen, wenn man nicht sicher ist, ob man ihnen sich selbst auch zumuten kann. Wer will schon halbfertige Möbel in sein Zimmer stellen? Ich bin wie ein Kaktus, der zu faul ist sich selbst zu gießen. Ich bin wie ein Hund, der nach Bäumen sucht, wo es nur Laternenpfähle gibt. Ich weiß, dass ich kann, was ich will, aber ich weiß nicht, ob ich es auch stark genug wollen kann. Ich habe Angst davor, im Alltag zu ertrinken, und ich weigere mich schwimmen zu lernen. Ich bin so beschäftigt damit, nach Zielen zu suchen, dass ich überhaupt nicht merken würde, wenn jemals eines davon erreichen sollte. Ich rede lieber, als dass ich etwas sage, und ich sage lieber, ich würde handeln, als es auch tatsächlich zu tun. Ich rede, als wäre Lippen nur zum reden da. Ich gehe durchs Leben, als hätte ich nichts Besseres zu tun. Mit Absicht Verlieren ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die wirklich ihr Bestes gegeben haben und am Ende doch auf der Strecke blieben. In der Gosse sind Touristen unbeliebt. Gespieltes Leid ist das einzige, was schlimmer ist als gespieltes Mitleid. Wann sehe ich das endlich ein? Dies ist keine Welt für Poeten. Aber in einem Sachbuch leben will ich auch nicht. Ich werde jetzt rausgehen und den Mond mit Satzzeichen bewerfen. Wir sehen uns dann morgen wieder. Irgendwo zwischen den Zeilen. Oben auf dem Dach.

Zerliebt

Integrale Bestandteile fortgerissen von tobend aufbrausenden, zu reißenden Strömen angewachsenen Gebirgsbächen. Brückenlegepanzer sehen hilflos zu, wie geplatzte Verkehrsadern langsam ausbluten. Der Pfarrer weint, als die Dorfkirche den Fluten schließlich nachgibt. Für ihn war sie halt mehr als nur ein Haus. Die Kinder planschen nicht, sie kämpfen um ihr Leben. Ist es das, was Du mit Tauwetter meinst?

Wortloses Missverständnis

Aneinander vorbeigeschwiegen. Aufeinander eingeschwiegen. Wie wild um sich geschwiegen. Nichts gesagt und es auch so gemeint. Kein Vorwurf ist auch ein Vorwurf. Ohne Dich wäre mein Leben. Aber das kann Dir ja jetzt egal sein. Du bist ja hier.

Türen an Hinterköpfen

Von der Müdigkeit übermannt. Durch die Straßen der Stadt. Den Straßenhunden nach. Der Sonne entgegen. Am Himmel der Mond. Die Sterne verschluckt von elektrischem Licht. Genieße die Stille. In wenigen Stunden wird der Lärm der Jagd auf das Glück, von dem es nicht genug für alle gibt, jeden Fetzen Stille verschlingen. Autos, Büros, Geschäfte, Banken, Märkte, Kaufen, Verkaufen. All die Wörter, die so wichtig erscheinen und die doch niemals gebraucht werden, wenn wir jemandem unsere Liebe schwören. Bewaffnete Polizisten bewachen leer stehende Regierungsgebäude. Kaffee aus Thermoskannen hält sie warm und wach. Bald kommt schon wieder der erste Bus vorbei. Pendler auf dem Weg zu Arbeitsstellen, die sie hassen, zu einer Zeit, zu der sie schlafen wollen. Manchmal passiert ein Unfall und für einen kurzen Moment nehmen die Menschen einander wahr. Doch sobald die Sonne die hässlichsten Gebäude übersteigt, versinkt jede Menschlichkeit im Smog. Wo die Realität zur Fernsehsendung wird, wird LSD zu einem guten Buch.